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Ausbildungstour am Grossvenediger - ein Kursbericht

Ein Kursbericht vom Teilnehmer Stephan Sauerwein

Am Samstag in der Früh um 03.30 h ging es los. Wir trafen uns in Wuppertal an der Nevigeserstr., um unserem lang herbeigesehnten Ausbildungskurs in Schnee und Eis im Virgental entgegenzureisen.

Das sich unser ältester Gipfelfreund Herbert (77 ! Jahre) nicht nur als ausdauernder Fahrer sondern auch als Konditionswunder am Berg zeigen würde, sollte sich später noch herausstellen.

Nach mehrstündiger Autofahrt erreichten Alle dann heil und leicht durchnässt gegen 15.00 h den vereinbarten Treffpunkt...den „einzigen“ Gasthof Islitzer in Hinterbichl, Prägraten am Grossvenediger...Nach dem ersten Austausch und den ersten ein bis zwei „Pfiffen“ –nicht derer der Murmeltiere- machten wir uns auf und erreichten gegen Spätnachmittag unser erstes Zwischenziel. Die Johannishütte auf 2.121 m Höhe.

Nach dem Beziehen des Lagers und einem Kaffee nutzten wir die Örtlichkeiten im Trockenraum, um mit einer ersten Knotenkunde und Ausrüstungscheck sowie dem Anpassen der Steigeisen auf die nächsten Tage vorzubereiten. „Warum denn nur im Keller im subtropischen Gebrauchtsockenklima...?! mag sich manch einer fragen. Der Grund dafür war ein heftig einsetzender Neuschnee bis in die Höhenlage von ca. 2.000 m.

Am Sonntag morgen mussten wir uns noch der Wetterlage beugen, und konnten so erst nach einem späten Frühstück unsere erste ‚lockere Eingehtour’ machen in Richtung Türmljoch. Dort boten sich die ersten Möglichkeiten für ein Training am Seil. Einbinden...Logistik und erste Handgriffe der Spaltenbergung rund um „Mannschaftszug“ und der „losen Rolle“ waren die Inhalte. Das Wetter klarte auf und so konnten wir am Montag bei strahlendem Sonnenschein unser erstes Höhentraining machen bei einer Tour auf die Kreuzspitze 3.155 m. Leider mussten wir ca. 150 HM unterhalb des Gipfel umkehren. Die Neuschneeauflage ließ einen Aufstieg über den Normalweg nicht zu. Trotz des fehlenden Gipfelerlebnisses war das eine tolle und herausfordernde erste Tour bei schönster Landschaft und einem faszinierenden Blick von der Tulpscharte aus auf die umliegenden Täler und Gipfel.  Leider führte unsere Begeisterung dazu, dass wir zu spät zum Abendessen gekommen sind und wir uns der Schelte der Hüttenwirtin stellen mussten...(aber so manchen Preis zahlt man gern...).

Am nächsten Morgen organisierten wir uns früh und stiegen gemeinsam auf zum Defreggerhaus 2.962 m. Nach kurzem Verschnaufen nutzten wir sofort das tolle Wetter und begaben uns über wegloses Gelände zu einem relativ flachen Gletscherausläufer, um dort mit dem Medium „Eis“ das erste mal in Kontakt zu treten. Jürgen und Tom erwiesen sich als ‚scharfe’ Juroren, als es hieß „....So!...jetzt mal hier nacheinander wie bei Germany’s next Top Model über den Eissteg laufen...und wieder hoch...!zack zack...“. Einige Eisschrauben und Eissanduhren später bahnten wir uns unter der Führung von Eva und mir wieder den Weg zurück zum Defreggerhaus. Eine sehr gute Übung für die Orientierung und Wegfindung. Am Defreggerhaus angekommen, zeigte uns die Hüttenwirtin Ihre persönliche Wetterkarte für den Mittwoch...Eine völlig ausgebuchte Reservierungsliste für den Folgetag ! Das war unser Signal ! Die Formel war einfach...antrainierte Fähigkeiten, Übungen + beste Wettervorhersage = beste Gipfelprognose ! Der Entschluss stand fest !

Am Morgen des 29.08.2018 um 05:30 h nahmen wir ein flottes Frühstück und starteten um 05:55 h in zwei Seilschaften los in Richtung Grossvenediger. Der leuchtende Vollmond wies uns bei wolkenlosem Himmel den Weg. Nach einigen Kehren im Aufschwung erreichten wir am Mullwitz Aderl den Anseilplatz. Dort ging Alles schnell von der Hand und wir stiegen angeseilt und mit Steigeisen ab aufs Eis. Für einige von uns war es das erste Mal über Blankeis und es war „gewöhnungsbedürftig“. Aber nach einigen Schritten ging es besser voran und die Abstimmung innerhalb der Seilschaft stimmte. Vorbei an Gletscherspalten und Schneebrücken erreichten wir das erste schnee- und eisbedeckte Plateau. Kurze Trinkpause...und weiter ging es in einigen Kehren im steileren Gelände bis auf den Gipfelvorbau. Dort seilten wir uns ab und wir erreichten nach dem ausgesetzten Gipfelgrat unser Gipfelziel auf 3.666 m ! Zum Glück sind wir sehr früh gestartet und hatten so einigermaßen Ruhe, den Gipfelblick zu genießen und einige Bilder zu schießen. Der Blick in die Seitentäler ließ Blicke zu auf andere – teilweise sehr große Seilschaften mit Bergführer – welche sich von der Kürsinger- und der Neuen Prager Hütte noch Ihren Weg bahnten.

Nach einem herrlichen Gipfelerlebnis machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Anseilplatz welchen wir nach 4 Std. 25 min. wieder sicher erreichten.

Diese tollen Eindrücke verarbeiteten wir noch am Donnerstag und die sich ändernde Wetterlage bestätigte uns, dass wir den besten Zeitpunkt gewählt hatten. Währen der Hüttensenior noch mit seinem Enkel die Terasse sanierte stiegen wir am Donnerstag ab und kamen noch in einen sehr intensiven Hagelschauer und Regen. Aber auch das gehört zum Berg dazu. Wir erreichten alle sicher die Johannishütte und verbrachten noch einen sehr schönen Hüttenausklang.

Am Freitag früh genossen wir noch ein gemeinsames Frühstück und während noch 2 Personen etwas auf der Johannishütte verweilten, machten sich Tom und Sabina auf in Richtung Kroatien, um sich im Urlaub vom Urlaub zu erholen. Sapi verließ unser Fahrzeug unten in Matrei und knüpft noch ein paar Trekking und Bergwochen hinten an. Und so machten sich die 3 letzten im Bunde wieder etwas wehmütig zurückblickend auf den Weg in Richtung Heimat.

Bleibt nur ein Dankeschön von Allen in Richtung unserer Organisatoren und erfahrenen „Bergziegen“ Jürgen und Tom. Sapi hat sich als „Wetterfrosch“ erwiesen und uns neben Karte, Kompass noch etwas über Wolken, Frontgewitter und Hochdruckgebieten berichtet. Vielen Dank auch Dir dafür...

Ich (wir) reise (n) gerne wieder mit....

Stephan Sauerwein

 

 

 

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